Globale Getreideernte: Trendumbruch nach vier Jahren Marktzuwachs

Wolf: Hoher Qualitätsweizenanteil in Österreich schafft interessante Vermarktungssituation.

Wien, 19. Oktober 2017 (aiz.info). - Bei der weltweiten Getreideernte zeigt sich heuer ein Trendumbruch. Erstmals nach vier Jahren Marktzuwachs ist der Verbrauch (2.090 Mio. t) geringfügig höher als die Erzeugung (2.071 Mio. t), was zu einem leichten Lagerabbau auf 24% führt. Bei Weizen geht das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) von einem weiteren Bestandsaufbau aus, da die weltweite Erntemenge auf 751 Mio. t geschätzt wird - was einem ähnlichen Wert wie im Vorjahr entspricht - und der Verbrauch auf 738 Mio. t. "Der Weltmarkt bleibt damit weiter unter Druck", erläuterte RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf gestern vor Journalisten.

Für die Europäische Union beträgt die aktuelle Ernteschätzung knapp 300 Mio. t, was eine leichte Steigerung von rund 2 Mio. t gegenüber dem Vorjahr wäre. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Weichweizenmenge nach dem signifikanten Einbruch im Erntejahr 2016/17 (von 152 Mio. t im Jahr davor auf 136 Mio. t) nun wieder deutlich auf 142,5 Mio. t gestiegen ist. Ursache dafür sind laut Wolf die unterschiedlichen Erntebedingungen in den Mitgliedstaaten. "In Österreich und Deutschland herrschten schlechte Anbaubedingungen, Spanien und die Niederlande hatten rückläufige Anbauflächen."

Anbaujahr 2017 in Österreich: "Europäischer Effekt" führt zu Kulturenverschiebungen

In Österreich werden heuer deutliche Kulturartenverschiebungen gegenüber 2016 sichtbar. Wolf führt dies auf den "europäischen Effekt" zurück. "Die Kürbisfläche ist um 42% zurückgegangen, was auf der Marktsättigung und den hohen Lagebeständen bei den Verarbeitern beruht, während die Sojafläche um 29% ausgedehnt wurde. Dies wiederum rührt von einer deutlichen Belebung der Nachfrage, basierend auf einer zunehmend gesteigerten GVO-freien Produktion auf Verarbeiterseite." Bei Raps, der an der Pariser Börse mit 370 Euro/t notiert, rechnet der RWA-Generaldirektor mit zunehmendem Druck durch steigende Importe - 50% des EU-Rapses gehen in die Biodieselbeimischung.

2017 war für die heimische Landwirtschaft ein schwieriges Wetterjahr mit geringen Niederschlagsmengen und extremer Hitze im Osten des Bundesgebietes. Die westlich von St. Pölten gelegenen Bundesländer fuhren eine Durchschnittsernte ein, während die östlich gelegenen Regionen bei den Sommerkulturen Einbußen bis zu 50% hatten, was nur bedingt durch höhere Qualitäten und Preise abgefedert werden konnte. Daraus ergibt sich eine Gesamterntemenge von 1,18 Mio. t und damit deutlich weniger als im Vorjahr (1,58 Mio. t). Während sich die Ertragseinbußen durch alle Getreidearten ziehen, zeigt sich beim Weizen eine deutliche Qualitätssteigerung. 59% der Weizenernte liegt im Premiumbereich (2016 waren es 9%). 20% werden als Qualitätsware eingestuft und der Mahlweizenanteil beträgt 11% (2016 noch 53%). "Mit diesem hohen Qualitätsweizenanteil spielt Österreich seine Stärke auf den Exportmärkten - vor allem in Italien - aus und bringt uns in eine interessante Vermarktungssituation", so Wolf. "Die Preisentwicklung für Qualitätsweizen zeigt im Herbst 2016 ein relativ hohes Niveau, heuer herrscht an der Euronext in Paris hingegen eine starke Volatilität vor, während sich die Notierungen an der Wiener Produktenbörse ziemlich konstant entwickelten." Künftig müssen die österreichischen Landwirte beim Qualitätsweizen allerdings mit steigendem Druck durch andere EU-Staaten rechnen.

Auch bei den Herbstkulturen rechnet der RWA-Generaldirektor mit einer schlechten Ernte, ebenso wie sie für die europäische Union erwartet wird. Weltweit geht das USDA von einer Maisernte in Höhe von 1,039 Mio. t aus, gegenüber 1,075 Mio. t im Vorjahr, bei annähernd gleichbleibendem Verbrauch. "Aus der Schwarzmeerregion wird von einer guten Maisernte berichtet, was den Druck auf unsere Absatzmärkte steigern wird", so Wolf.

Betriebsmitteleinsatz rückläufig - Traktorenzulassungen um weitere 10% gesunken

Weitere Rückgänge verzeichnet die RWA Raiffeisen Ware Austria AG heuer beim Nährstoffabsatz, was laut Wolf drei Gründe hat: zum einen das trockene Wetter, zum anderen den bedachteren Einsatz seitens der heimischen Landwirte und schließlich die steigenden Umstellerflächen. Auch die Pflanzenschutzmittelanwendungen sinken.

Insgesamt stabil präsentiert sich der Markt für Landtechnik, wobei sich eine Verlagerung der Nachfrage zu größeren Maschinen zeigt, die auch für den überbetrieblichen Einsatz geeignet sind. Die Zahl der Traktorenzulassungen ist bereits das vierte Jahr in Folge rückläufig. Das Minus gegenüber dem Vorjahr beträgt etwa 10%, die Talsohle sei damit vermutlich aber noch nicht erreicht, so Wolf. Im Gegenzug gewinnt das Maschinen-Sharing weiter an Bedeutung und auch die RWA selbst konnte bei der Vermietung von Traktoren die Stundenzahl gegenüber 2016 verdoppeln.

RWA stellt Biohelp international auf

Die Biofläche in Europa - Österreich reiht sich nach Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland an fünfter Stelle ein - steigt konstant, ein Trend von dem erwartet wird, dass er in den kommenden Jahren anhält. Die RWA hat sich darauf eingestellt und gemeinsam mit der Bio Getreide Austria (BGA) das größte Biolagernetz Österreichs geschaffen. Auch bei Biobetriebsmitteln ist seit 2015 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Mit der 2016 abgeschlossenen Beteiligung an Biohelp, einem Unternehmen, das Lösungen für den Pflanzenschutzmittelbereich im Biolandbau anbietet, konnte heuer ein 30%-Wachstum erzielt werden. Nun wird Biohelp international gegründet.

Drohneneinsätze werden ausgebaut

Auch den Einsatz ihrer Drohnen wird die RWA weiter ausbauen. Gemeinsam mit der Jägerschaft soll die Kitzrettung per Überflug intensiviert werden. Ebenso wird die Technik zur Überprüfung von Photovoltaikanlagen eingesetzt und schließlich eruieren Drohnen auch die Wärme in Silos, teilte Christoph Metzger, Bereichsleiter für Betriebsmittel in der RWA, abschließend mit.